Die internationalen Verbände der Wettkämpfer – Ein einzigartiger Fall von Globalisierung in der antiken Welt

 

Dieses Mosaik (1. Jh. n.Chr.) zeigt eine Statue eines erfolgreichen Boxers.
(Bild: Mosaic from Stabiae Villa San Marco in glass tesserae depicting a statue of a gloved boxer on a pedestal wearing a wreath, 1st century AD, Naples National Archaeological Museum von Carole Raddato unter CC BY-SA 2.0 lizensiert)

Wettkämpfe für Athleten und Künstler (agone) waren ein übliches Merkmal städtischen Lebens im Mittelmeerraum. Die berühmten griechischen Spielen wurden in Asia Minor, Syria, Ägypten, Italien und sogar im südlichen Gallien und nördlichen Afrika nachgeahmt. Die Ausbreitung dieser Wettkämpfe über den östlichen Mittelmeerraum fing schon in klassischer Zeit an, prägte aber besonders die hellenistische Zeit.

 

Einige Jahrhunderte nach dieser Internationalisierung (d.h. die Verbreitung über Regionen, die nicht der gleichen zentralen Verwaltung zugehörig waren) unterlief die Agonistik, beginnend im 1. Jahrhundert v. Chr., einen Prozess der Globalisierung (d.h. ein Integrationsprozess über die damalig bekannte Welt). Vom 1. Jahrhundert v. Chr. an waren die Wettkämpfer also richtige Kosmopoliten: Sie hatten eine mehrfache Staatsbürgerschaft, nahmen an so vielen Wettkämpfen wie möglich teil und verbrachten ihre ganze professionelle Laufbahn mit Reisen von einer römischen Provinz in die andere.

 

Eine solche Globalisierung benötigte einen erheblichen Informationsaustausch. Wettkämpfer mussten wissen wann, wo und in welcher Disziplin sie sich messen konnten sowie welche Preise und Privilegien gewonnen werden konnten. Dass ein solches Wettkampfnetzwerk international voll funktionsfähig war, suggeriert eine Ebene der Konnektivität, die selten war in der antiken Welt, besonders wenn man bedenkt, dass diese Athleten nicht das Kommunikationssystem des römischen Staates nutzten. Athletik/Sport und Kunst zählten immerhin zum Freizeitvergnügen.

 

Neuere Forschung zur Agonistik hat mehrheitlich die Rolle römischer Kaiser untersucht. Ihre überwachende Funktion war jedoch zumeist reaktiv. Die aktiven Spieler, die diese Globalisierung ermöglicht hatten, waren jedoch zwei internationale Verbände, welche die Athleten und Künstler vertraten: die sogenannten xystischen und thymelischen Synoden. Diese Verbände formierten sich etwa zu der Zeit, als sich die Agonistik langsam globalisierte. Mit Hauptsitzen in Rom und Zweigen über den gesamten Mittelmeerraum waren sie die einzigen professionellen Verbände der antiken Welt, welche die Grenzen der antiken Stadt übertraten. Dies taten sie jedoch mit großem Erfolg. Sie gaben den antiken Wettkämpfer eine machtvolle Lobby und eine Bürokratie, die man eher mit modernem denn antikem Sport verbinden würde. Diese Studie/Dieses Forschungsprojekt soll die erste umfangreiche Untersuchung dieser beiden Synoden – deren Entstehung und Abläufe bis heute nur unzureichend erforscht wurden –  darstellen.

 

gefördert durch: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Würrtemberg
Wissenschaftliche Leitung: Jun.-Prof. Dr. Sofie Remijsen
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Bram Fauconnier, M.A.

Laufzeit 2014-2017

Publikation: Br. Fauconnier, Ecumenical Synods. The Associations of Athletes and Artists in the Roman Empire, Diss. Amsterdam 2017